Auswertung & Gedanken zum Show - Event vom 27. Okober 2006 in der Bärenmatte
Für die jugendlichen Teilnehmer-/innen am Vorprogramm war es ein riesige Motivation, die Profis kennen gelernt zu haben und „gemeinsam“ mit ihnen auftreten zu dürfen.
Soweit keine Klassenproduktionen, kannten die Weltklasseartisten die Jugendlichen ebenfalls, hatten sie doch z.B. in der Themenwoche bei der Choreografie ihres Programms mitgeholfen. Eine Wechselwirkung, die verhielt, gegenseitige Wertschätzung war klar spür- (und hör-)bar.
Die Jugendlichen und ihre „Trainerinnen“ gaben alles, übten stundenlang aus freien Stücken. Bravo!
Gute Stimmung und grosser, verdienter Applaus während und nach den Showelementen brachten die Begeisterung des Publikums herüber.
Begeisterte Kommentare nach dem Abend, heisse Diskussionen in anschliessenden privaten „Aperokreisen“ liessen auf einen vollen Erfolg, auf einen Volltreffer dieses „Move-it“- Projektabschlusses schliessen.
Ende gut, alles gut?
Jein...
Zwei Punkte geben der Projektleitung Anlass zu kritischen Überlegungen:
Die Bärenmatte war für rund 650 Personen gestuhlt; eine Besucherzahl, die durchaus realistisch wäre, wenn ein „Schulanlass“ mit einem Weltklasseevent gekoppelt ist - umso mehr, als wenn man sieht, welch grosse Besucherzahlen die Artisten anderswo anlocken!
Es erschienen sehr viele Jugendliche, doch verhältnismässig wenig erwachsenes Publikum, so dass zu Beginn der Saal zu etwa 70 % ausgelastet war (Mitte ca. 50%).
Ein grosser Teil der Jugendlichen ging ein und aus, ganz nach eigenem Gutdünken, unterhielt sich recht laut und störte dabei die hintersten Sitzreihen, vor allem aber die Regie, die zuhinterst angesiedelt war und ihrer Aufgabe nur mit grösster Konzentration nachkommen konnte.
Besucherzahl
Wir hätten klar mehr Publikum erwartet, war doch dieser Anlass keineswegs als Schulanlass sondern als öffentlicher Anlass deklariert.
Die Werbetrommel wurde gerührt.. wir haben Plakate bis ins mittlere Wynental verteilt wie auch viele Läden in umliegenden Gemeinden bedient.
Vor den Herbstferien haben einige Jugendliche Kleinplakate an viele Läden in Suhr verteilt, leider wurden die meisten nicht ausgehängt.
Wir haben eine Homepage erstellt, die genau und aktuell informierte, wir haben einige Zeitungen angeschrieben (AZ, Live, Aarauer Nachrichten u.ä. haben keine Artikel o.ä. veröffentlicht).. wir haben Plakate und Flyer in die verschiedenen Schulhäuser gebracht, mit der Bitte, diese den Kindern zu verteilen...
Ziel wäre gewesen, einigermassen kostendeckend zu schaffen, heisst, mit den Einnahmen der Kollekte die eh schon reduzierten Ausgaben (Gagen) zu bestreiten oder zumindest einen grösseren Teil davon, was schlussendlich nur knapp zu einem Viertel der Fall war.
Das Event war offenbar Tage danach noch Gesprächsthema und viele Leute bedauerten, dass sie nicht dabei gewesen waren.. man hörte den Vorwurf, es sei nicht genug / gut informiert worden..
Wo könnte der Hase begraben liegen?
Vermutlich einerseits in der Meinung (wie mehrfach vernommen), dass die Schulen nie mit wirklichen Weltklasseartisten zusammen schaffen würden, könnten, täten... und es sich somit kaum lohne, diese Vorstellung zu besuchen..
Dass diese Vermutung wohl nicht ganz wegzuweisen ist, zeigen auch ganz erstaunte Reaktionen Erwachsener nach dem Anlass, welche ihr grosses Erstaunen über die (tatsächliche) Weltklasse der Artisten ausdrückten.
Was müsste künftig anders gemacht werden?
- Vermutlich müsste die Werbung in der Schule „aggressiver“ sein, was bedeutet, dass ein Vertreter des OKs in die verschiedenen Sitzungen der Lehrerkollegien geht und das Projekt vorstellt mit der Bitte, die Kinder dementsprechend zu informieren.
Das Projekt sollte von möglichst vielen Lehrpersonen mitgetragen werden, umso mehr, wenn die Schulhäuser räumlich voneinander entfernt sind und wenig bis gar kein Kontakt unter den einzelnen Stufen besteht.
Allenfalls kann man sich den Einsatz von Elternbriefen überlegen.
Die Zeitungen müssten unbedingt früh angegangen werden, damit Platz für Infos, Werbung freigehalten werden kann. Oktober/November sind kulturell stark ausgelastete Monate.
Jugendliche Verhaltensweisen
Als sehr gut und zugkräftig erwiesen hat sich das Vorprogramm. Viele, vor allem ältere Jugendliche, sind nur gekommen, um ihre am Programm beteiligten Kollegen/Kolleginnen zu sehen. Das z.T. deshalb entstandene Geläufe, Geschwatze, Spiel mit Natel hat für eine gewisse Anzahl Betroffener, wie erwähnt, dem erfolgreichen Abend einen etwas schalen Nebengeschmack verliehen.
Im Gespräch mit den „Störefrieden“ hat sich heraus kristallisiert, dass sie sich ihres störenden Verhaltens meist nicht bewusst waren. Sie wähnten sich schlicht nicht in einem „Theater“, resp. wussten offenbar nicht, dass es zweierlei kulturelle Veranstaltungen gibt. In einem Theater z.B. ist gefragt, auf dem Platz sitzen zu bleiben (was eh für viele Jugendliche grundsätzlich eine grosse Herausforderung ist, weil sie schnell unruhig werden..), sich auf die Vorstellung zu konzentrieren, Natel abzuschalten, usw.
Was müsste künftig anders gemacht werden?
Wir haben nicht mit diesem Problem im grösseren Stil gerechnet.
Vor einem weiteren ähnlich gelagerten Anlass müssten die Lehrpersonen unbedingt auf die entsprechenden Verhaltensweisen und deren Hintergründe, Auswirkungen eingehen und mit den Jugendlichen diskutieren.
Zu überlegen wäre zudem, ob Aufsichtspersonen/Türsteher eingesetzt werden sollen; somit hätte man u.a. die störenden Jugendlichen den Nachbargemeinden besser unter Kontrolle.
Die Organisation eines öffentlichen Anlasses trägt gewisse Verantwortungen mit sich. Zumindest sollen die engagierten Personen ihren Verpflichtungen (die wir ja bezahlen), ungehindet nachkommen können.
Zudem schadet es nichts, wenn die Jugendlichen über die diversen Formen von Kulturanlässen orientiert werden. Das ist Allgemeinbildung, kulturelle Weiterbildung. Geht dieses Wissen verloren, schadet dies nicht zuletzt auch den Kulturvermittlern an der Basis, den Künstlern.
Christine Fischer, Projektleitung